Kleidung selber nähen fande ich schon immer faszinierend -
dann kam Button Masala
Ich als kreativer Kopf und Gründerin von Albers Artwork werde in meinen Workshops immer wieder gefragt: „Anna, wie bist du eigentlich auf Button Masala gekommen?“
Und jedes Mal muss ich ein bisschen schmunzeln, denn die Geschichte dahinter ist fast zu einfach, um wahr zu sein. Manchmal beginnt etwas Großes ganz unscheinbar – bei mir mit einem Treffen in einem kleinen Café in Münster.
Ich weiß noch genau, wie ich mit meiner Freundin Sarah im Café saß. Wir hatten uns länger nicht gesehen. Sarah und ich kennen uns schon viele Jahre, waren sogar gemeinsam im Schüleraustausch in Australien. Inzwischen studierte sie Design und kam gerade von einem Praktikum aus Indien zurück.
Wir erzählten uns, was in den letzten Monaten passiert war, bis Sarah plötzlich von einer Technik sprach, die sie in Indien kennengelernt hatte: Button Masala. Sie zeigte mir direkt ein Beispiel und sagte:
„Anna, das ist so genial und einfach. Da musst du was draus machen. Das ist dein Ding! Du wolltest dich doch immer selbstständig machen – das würde super passen!“
Dieser Satz blieb hängen. Schon länger beschäftigte mich der Gedanke an die Selbstständigkeit, mir fehlte nur noch die richtige Idee. Wer nach einer Möglichkeit sucht, Kleidung selber zu nähen oder eine eigene Garderobe selbst zu gestalten, greift meist zu Stoff, Schere und Nähmaschine. Aber war das hier vielleicht der ganz andere Weg, nach dem ich gesucht hatte?
Am Abend lag ich lange im Bett und recherchierte. Je mehr ich fand, desto größer wurde mein Staunen.
Ohne Nadel und Faden: Kleidung selber nähen - aber mit Button Masala
Hinter Button Masala steckt der indische Designer Anuj Sharma. In Indien war er längst kein Unbekannter mehr, in Deutschland kannte seine Technik allerdings kaum jemand.
Auf Instagram sah ich Bilder seiner Modelle und verstand zunächst überhaupt nicht, was ich da sah: Wunderschöne Kleidungsstücke, ungewöhnliche Formen, spannende Silhouetten – und all das ganz ohne klassische Nähte?
Wenn man daran denkt, Kleidung selber zu machen, hat man sofort komplizierte Schnittmuster, das Abstecken von Säumen und stundenlanges Sitzen an der Nähmaschine im Kopf. Doch hier verbinden kleine Plättchen und Gummibänder den Stoff.
Wie konnte das funktionieren? Kann man wirklich wunderschöne Mode erschaffen, ohne aufwendig Kleidung selber zu nähen?
Die Faszination Kleidung selbst zu nähen ohne nähen zu müssen
Je länger ich mir seine Arbeiten ansah, desto neugieriger wurde ich. Ich wollte unbedingt verstehen, wie aus einem Stück Stoff, ein paar Buttons und Bändern solche Kleidungsstücke entstehen konnten, die aussehen wie selbst genähte Kleidung, ohne einen einzigen Stich.
Und irgendwann dachte ich mir: Ich frage ihn einfach.
Sarah hatte erzählt, dass Anuj sehr unkompliziert sei. Also fasste ich mir ein Herz und schrieb ihm einfach über Instagram. Ich erzählte ihm von meiner Vision und fragte, ob er Lust auf eine Zusammenarbeit hätte.
Zu diesem Zeitpunkt sah ich mich übrigens überhaupt nicht als Workshopleiterin. Ich war eher schüchtern und konnte mir kaum vorstellen, vor einer Gruppe zu stehen und anderen eine kreative Technik beizubringen. Doch Anujs Antwort änderte alles:
„Ja klar, wir machen das. Du lädst mich nach Deutschland ein und ich halte die ersten Workshops gemeinsam mit dir. Ich freue mich, wenn die Technik bekannter wird.“
So unkompliziert war das! Und damit fing alles an.
Natürlich konnte ich bis zu seinem Besuch nicht einfach abwarten. Ich wollte verstehen wie Button Masala funktioniert, wie ich damit meine eigene DIY-Kleidung-Gestalten und Kleidung selber nähen kann, ohne nähen zu müssen. Ich stanzte mir runde Plättchen aus Pappe, kaufte Gummibänder und verschönerte mein erstes Kissen. Schnell merkte ich, dass Pappscheiben nicht mit echten Buttons mithalten konnten – sie bogen sich und waren nicht wasserfest.
Aber das hielt mich nicht auf. Ich bezog eine alte Leinwand mit einem ausrangierten Spannbettlaken und fertigte einen Hocker an – ein Upcycling-Projekt, das ich bis heute liebe. Ich probierte aus, verwarf wieder etwas und wollte immer mehr verstehen. Die Leidenschaft war geweckt.
💡 Tipp zum Weiterlesen:
Schau dir gerne meine liebsten Upcycling Ideen für Kleidung und Möbel an, um zu sehen, wie aus einfachen Stoffresten oder Handtüchern tolle Alltagsbegleiter werden!
Damals lebte ich in München. Ich gründete Albers Artwork, nahm ein Gründungscoaching in Anspruch und organisierte Anujs ersten Besuch. Im April 2017 war es schließlich so weit.
Innerhalb kürzester Zeit stampfte ich gleich mehrere Workshops aus dem Boden. Ich war unglaublich aufgeregt: Würden sich Menschen, die sonst gerne Mode selber nähen oder basteln, überhaupt für eine nählose Technik begeistern? Und wie würde es sein, plötzlich gemeinsam mit einem international
arbeitenden Designer Workshops zu geben?
Anuj machte mir den Einstieg zum Glück leicht. Er war offen, entspannt und bereit, sein Wissen zu teilen. Je mehr ich mit ihm arbeitete, desto besser verstand ich, warum Button Masala der perfekten Antwort auf die Frage entspricht, wie man ohne Vorkenntnisse Kleidung selber machen kann. Schon damals spürte ich: Da steckt etwas Besonderes drin.
Heute zeige ich in meinen Workshops in Münster Schritt für Schritt, wie genial Button Masala ist. Du bist nicht in Münster und Umgebung? Dann hol dir dein Button Masala DIY-Set im Shop und probiere es für dich aus.
Anuj Sharma ist Designer aus Indien und hat am National Institute of Design studiert. Was ich an seiner Arbeit bis heute spannend finde: Er hinterfragt Dinge, die wir bei Kleidung meistens einfach als gegeben hinnehmen.
- Warum muss ein Kleidungsstück zugeschnitten und anschließend fest vernäht werden?
- Warum kann man Stoffe nicht so miteinander verbinden, dass sie sich jederzeit wieder verändern lassen?
- Und warum sollte ein Kleid immer ein Kleid bleiben?
Die ursprüngliche Idee kam Anuj, als er einen Mann mit einem falsch zugeknöpften Hemd sah. Aus dieser Beobachtung entwickelte sich nach und nach die Frage, ob sich Knöpfe nicht ganz anders nutzen ließen, um Stoffe flexibel miteinander zu verbinden.Seine ersten Versuche arbeiteten noch mit Knopflöchern, Bändern und Knöpfen. Doch Anuj suchte nach einer noch einfacheren Lösung.
Daraus entwickelte sich schließlich das Prinzip von Button Masala: Kleine, leichte Buttons und elastische Bänder verbinden Stoff miteinander, ohne dass dafür klassische Nähte notwendig sind. Und genau diese Einfachheit fasziniert mich bis heute. Außerdem ist die Technik universell: Egal ob 8 oder 88 Jahre alt – jeder kann sie ohne teure Nähmaschinen-Ausstattung sofort erlernen.
Warum mich die Technik nie wieder losließ
Nach Anujs Besuch entwickelte ich meine ersten eigenen DIY-Design-Kits. Bei den Workshops merkte ich schnell, wie der Funke übersprang.
Wer schon einmal versucht hat, Kleidung selber zu nähen, kennt das Problem: Schneidet man den Stoff einmal falsch zu oder setzt eine Naht an der falschen Stelle, ist das Material ruiniert. Bei Button Masala gibt es diesen Frust nicht!
Ein Stück Stoff muss nicht für immer ein bestimmtes Kleidungsstück bleiben:
Heute entsteht daraus ein Top.
Morgen wird es zu einem Kleid geknöpft.
Nächste Woche nutzt du den Stoff als Kissenbezug oder Wandbehang.
Du versetzt einen Button, ziehst ein Gummiband neu – und die gesamte Passform verändert sich. Und wenn dir das Ergebnis nicht gefällt? Dann machst du es in zwei Minuten wieder auf. Aus diesem eigentlich sehr simplen Prinzip entstehen unglaublich viele Möglichkeiten.
Plötzlich wird jeder selbst zum Designer
Bei klassischer Mode ist vieles schon entschieden, bevor wir ein Kleidungsstück überhaupt in den Händen halten: der Schnitt, die Länge, die Nähte und die Form. Bei Button Masala darfst du selbst entscheiden. Du darfst ausprobieren, verändern und auch Fehler machen.
Vielleicht entsteht gerade aus etwas, das überhaupt nicht so geplant war, am Ende deine schönste Idee. Diese Erfahrung mache ich bis heute immer wieder in meinen Workshops. Perfektionismus wird bei mir deshalb nicht besonders großgeschrieben. Jeder Mensch hat seine eigene kreative Handschrift. Der eine arbeitet ganz genau, der nächste völlig intuitiv. Beides ist richtig.
Und manchmal entstehen gerade aus dem kreativen Chaos die schönsten Dinge. Es geht mir nicht darum, dass am Ende alle mit demselben Ergebnis nach Hause gehen. Im Gegenteil. Es geht darum, etwas Eigenes entstehen zu lassen und vielleicht auch wieder ein bisschen mehr Vertrauen in die eigene Kreativität zu bekommen.
Ein Satz von Anuj ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben:
„Einfach zu sein, ist das Komplexeste auf der Welt.“
Die Grundidee ist erstaunlich einfach. Aber was daraus entstehen kann, ist beinahe grenzenlos.
Wenn ich heute an dieses Café in Münster zurückdenke …
… muss ich manchmal selbst darüber schmunzeln, was aus diesem einen Gespräch geworden ist.
Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich irgendwann selbst Workshops gebe, auf Kreativmessen stehe, an Designschulen arbeite und eigene Button-Masala-Kits entwickle, ein Buch im CV Verlag veröffentliche, hätte ich das vermutlich nicht geglaubt.
Und genau das ist vielleicht das, was ich aus meiner Geschichte weitergeben möchte: Hab den Mut, für deine Träume loszugehen. Auch wenn du am Anfang noch nicht weißt, wohin der Weg führt. Auch wenn nicht alles sofort funktioniert und du unterwegs Dinge ausprobieren, verwerfen und noch einmal neu machen musst.
Mein Lieblingsspruch war schon immer:
„Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Limonade daraus.“
Vielleicht passt er deshalb auch so gut zu meiner Geschichte. Denn es geht für mich nicht darum, dass immer alles nach Plan läuft. Sondern darum, aus dem, was einem begegnet, etwas Eigenes zu machen. Chancen zu sehen, neugierig zu bleiben und sich manchmal einfach zu trauen.
Hole dir gleich dein DIY Fashion designen Starter Set
Und starte gleich dein eigenes Mode-, Fashion- oder Upcyclingprojekt.
